
Matchwinner Juho Laakso: Sein Treffer in der Verlängerung entschied das Spiel und die Palydownserie zugunsten der Red Hocks. (Foto: Archiv/Finkenzeller)
Derbysieg in München – Red Hocks sichern sich Relegation
Kaufering – Die Red Hocks haben das Playdownfinale in der 1. FBL ist entschieden: Durch einen 6:5-Auswärtssieg nach Verlängerung retten sich die Kauferinger in die Relegation; der FBC München steht als Absteiger fest.
258 Sekunden sind in der Overtime gespielt. Nachdem sich beide Teams darum bemühen, die Zügel ohne viel Risiko in eigenen Händen zu halten, findet Kaufering doch den Weg zum schnellen Gegenstoß. Ferdinand Reichenbergers Rückhandvolley mündet in einem Abpraller – Einschlag auf Höhe der Mittellinie für die Lechfloorballer. Die Red Hocks wechseln, Calli Rieß macht den Ball scharf für Juho Laakso. Zweimal hat er in dieser Partie schon getroffen, erneut zieht der Fachmann für Distanzschüsse in Diensten der Gäste einen langen Bogenlauf über das ganze Feld. Sein Schuss trudelt am kurzen Eck ins Netz, fliegende Schläger, Schreie, Frust, Jubel, aus.
„Verlieren verboten“ galt am Samstag für die mit 0:1 in der Serie hinten liegenden Hausherren; „gewinnen dringend erwünscht“, lautete das Motto der Gäste. Von Beginn an war mächtig Druck auf dem Kessel vor rund 200 Zuschauern auf dem Bildungscampus Riem, von denen wohl etwas weniger als die Hälfte aus Kaufering angereist war. Die Nerven flatterten, entsprechend fehlerbehaftet gingen beide Teams zu Werke. Laaksos erstes Tor ins kurze Eck (6.) war noch ordentlich herausgespielt, Benedikt Föhrs 0:2 nur 22 Sekunden später resultierte dann aus einem Verstolperer, den Kauferings Angreifer zu verwerten wusste.
Doch der FBC berappelte sich rasch. Am Ende einer Kombination verwertete Mikuláš Nebrensky einen Abpraller (9.) zum raschen Anschluss. Nachdem die Red Hocks sich wenig später im Vorwärtsgang einen Ballverlust leisteten, brauchten sie zu lange, um sich wieder zu sortieren. Luis Rüger nutzte das um Sebastian Unterberger zu bedienen, der aus kurzer Distanz ausglich (13.). Das Münchener Spiel machte nun den etwas aufgeräumteren Eindruck. Die Red Hocks, die krankheitsbedingt auf ihren letztwöchigen Man of the Match Daniel Wipfler verzichten mussten,leisteten sich zahlreiche technische Unsauberkeiten, sodass ihre Offensivbemühungen meist schon rund um die Mittellinie ins Stocken gerieten.
Das blieb auch im Mitteldrittel so, selbst in Unterzahl ließ der FBC wenig anbrennen. Als dann in der 33. Minute Kapitän Asko Heinaro energisch durch die Mitte vorstieß und per Distanzschuss traf, war die spielerische Kehrtwende auch endgültig auf der Anzeigetafel manifestiert. Kaufering schwamm und hätte sich gleich zu Beginn eines eigenen Powerplays fast noch den nächsten Gegentreffer gefangen, doch blieb Torwart Raphael Landherr im Duell mit Luis Rüger Sieger. Dass Laakso kurz darauf doch noch den Abzug fand und sein Weitschuss einschlug (36.), rettete die Red Hocks mit einem 3:3 in die Kabine.
Dann aber schien sich das Geschehen endgültig zugunsten der Münchener wenden. Nachdem Luis Rüger in Überzahl einen Abpraller volley ins Kauferinger Tor drosch (45.) und Spielertrainer Julian Rüger (47.) ein Abpraller servierfertig mittig vor dem Tor auf die Kelle fiel, stand es 5:3 für die Hausherren. „Wille, Moral und Einstellung stimmten aber“, lobt Kauferings Verteidiger Raphael Heinzelmann, der das Spiel selbst angeschlagen von der Tribüne aus verfolgen musste, seine Teamkollegen.
Kauferinger Aufholjagd
Und auch das Glück spielte nun eine entscheidende Rolle. Die Red Hocks erhöhten das Risiko. Kapitän Benedikt Richardon werkelte sich mit Verve nach vorne, diesmal landete der Abpraller vor einem Kauferinger Schläger, John Blümke verkürzte (49.). Als dann am Ende einer erfolgreichen Pressingaktion Martin Rieß am schnellsten schaltete und den Ball am kurzen Pfosten über die Linie drückte (56.), hatten seine Red Hocks den Kopf mit etwas Dusel aus der Schlinge gezogen – zumindest vorerst.
Denn bevor es in die Verlängerung ging, waren noch zwei Minuten Unterzahl zu überstehen. „Das war natürlich nochmal eine kritische Phase“, bestätigt Heinzelmann. Doch die Killerformation verrichtete ihre Arbeit unbeschadet. „Vielleicht war es wieder dieses ungenutzte Powerplay kurz vor Schluss, das uns den Sieg gekostet hat“, bedauert Federico Vanoni, Teil der Münchener Trainerstabs.
„Wir haben die entscheidende Nervenstärke gezeigt“, jubelt Heinzelmann, nachdem Laakso in der Verlängerung zum Matchwinner avancierte. Seinerseits im Vergleich zur Vorwoche nichts vorzuwerfen habe sich der FBC, so Vanoni. „Wir haben wirklich alles auf dem Feld gelassen.“ Vielleicht sei es Pech, vielleicht Schicksal, dass die Münchener über die letzten Monate hinweg in knappen Spielen zu oft leer ausgingen. Im April 2026 jedenfalls werde sein Team stärker denn je aus der Zweitklassigkeit zurückkehren.
Dass die Kauferinger die Serie glücklich, aber glatt auf ihre Seite zogen, sei ein deutliches Zeichen in Sachen Kampfgeist, Qualität und Reife, so Heinzelmann. Über den Klassenerhalt entscheiden muss nun eine Relegationsserie gegen einen noch zu ermittelnden Zweitligisten, die in zwei Wochen beginnt. Derzeit sieht es nach dem SC DHfK Leipzig als Gegner aus, der die erste Partie im Zweitligafinale mit 13:8 gegen Potsdam verlor. „Unsere Derbysiege geben uns enorm Selbstvertrauen und die Unterstützung der Fans war in München fantastisch“, sieht Heinzelmann die Kauferinger auf einem guten Weg zum Klassenerhalt. Nun gelte es diesen Schwung mitzunehmen.